Design mit KI braucht Führung.
Designwerkzeuge entwerfen inzwischen selbst mit. Im April 2026 hat Anthropic Claude Design vorgestellt. Man beschreibt, was man braucht, und erhält Entwürfe, Prototypen oder Präsentationen (Anthropic, 2026). Auch Figma hat einen eigenen KI-Agenten, der in Design-Dateien und in Figma Make mitarbeitet.
Das Tempo ist beeindruckend. Nach einigen Entwürfen fällt aber etwas auf: Sie sehen sich sehr ähnlich.
Warum alles gleich aussieht
Eine Generative KI hat aus sehr vielen Beispielen gelernt. Bekommt sie keine Vorgaben, wählt sie das, was dort am häufigsten vorkommt. Das Ergebnis ist ordentlich, aber beliebig. Schriften, Layouts und Farben ähneln sich von Projekt zu Projekt.
Für eine schnelle Skizze reicht das. Für eine Marke, die erkennbar sein will, reicht es nicht. Nach unserer Erfahrung liegt das selten am Werkzeug. Der KI fehlt schlicht die Beschreibung der Marke.
Damit ein Entwurf eigenständig wird, braucht die KI deshalb Führung. Die kann auf zwei Wegen kommen: über eine klare Leitplanke in Form eines Designsystems oder über das geübte Auge einer Designerin oder eines Designers, die im Sparring mit der KI gestalten. Fehlt beides, liefert die KI den Durchschnitt.
Das Designsystem als Leitplanke
Ein Designsystem legt fest, wie eine Marke aussieht: Farben, Schriften, Abstände, Bausteine wie Buttons oder Karten und die Regeln, wie alles zusammenpasst. Bisher war es für Menschen gemacht, als Styleguide oder Komponentenbibliothek. Damit eine KI danach arbeiten kann, muss sie es lesen können.
Die neuen Werkzeuge gehen genau in diese Richtung:
- Claude Design liest beim Einrichten vorhandenen Code und Designdateien und baut daraus ein Designsystem. Neue Entwürfe folgen dann diesen Vorgaben (Anthropic, 2026).
- Figma lässt sich mit externen Wissensquellen verbinden. Dafür gibt es einen offenen Standard namens Model Context Protocol, kurz MCP. Er funktioniert wie eine Steckdose, über die eine KI Informationen aus anderen Systemen abrufen kann (Figma Help Center).
Wir pflegen Designsysteme deshalb zusammen mit allem anderen, was eine Marke ausmacht, in nxttool, unserem eigenen Tool. Dort liegen Designsystem, Sprache, Zielgruppen und Bildstil an einer Stelle. Über MCP lässt sich das an KI-Agenten anbinden, zum Beispiel an den in Figma. Dann startet ein Entwurf bei den Regeln der Marke und nicht beim Durchschnitt. Mehr dazu steht im Beitrag zu maschinenlesbaren Markensystemen auf nxttool.com.
Praxisbeispiel: nxttool.com
Wie das konkret aussieht, zeigt unsere eigene Website nxttool.com. Wir haben sie neu aufgebaut, als statische Website ohne Content-Management-System.
Grundlage war alles, was im nxttool zur Marke hinterlegt ist: das Designsystem, die Markensprache, die Zielgruppen und der Bildstil. Daraus hat ein KI-Agent die Website Schritt für Schritt aufgebaut:
- Gestaltung: Farben, Schriften, Abstände und Bausteine wie Buttons, Karten oder Kästen hat der Agent aus dem Designsystem übernommen.
- Bestehende Inhalte: Texte und Bilder der alten Website hat er automatisch in die neue Struktur übertragen.
- Neue Inhalte: Neue Texte entstehen in der hinterlegten Markensprache und passend zur jeweiligen Zielgruppe, neue Bilder im festgelegten Bildstil.
Der Agent musste dabei nichts erfinden. Er hat umgesetzt, was die Marke vorgibt. Jede Seite haben trotzdem Menschen geprüft, angepasst und freigegeben. Warum statische Websites oft die robustere Wahl sind, erklärt unser Beitrag zu statischen Websites. Welche Wege es insgesamt gibt, eine Website mit Generativer KI zu bauen, zeigt der Artikel Website mit KI erstellen.
Das geübte Auge im Sparring
Nicht jedes Projekt hat schon ein Designsystem. Bei einer neuen Marke oder in einer frühen Konzeptphase fehlt die Leitplanke noch. Dann führt das geübte Auge einer Designerin oder eines Designers.
Im Sparring liefert die KI schnell Varianten. Die Designerin sieht, was davon trägt: ob Proportionen und Hierarchie stimmen, ob die Typografie zur Marke passt und ob ein Entwurf gut lesbar und barrierearm ist. Sie verwirft, beschreibt genauer, korrigiert von Hand und nimmt am Ende ab. So arbeiten wir auch in unseren Projekten. Die KI macht Vorschläge, wir geben die Richtung vor.
Am stärksten ist die Kombination. Was im Sparring entschieden wurde, lässt sich im Designsystem festhalten. Beim nächsten Entwurf muss die KI es dann nicht mehr erraten. Damit verändert sich auch die Arbeit im Design: Es geht weniger darum, jede Variante selbst zu zeichnen. Wichtiger wird, die Richtung vorzugeben und die Regeln zu pflegen, nach denen die KI arbeitet.
Generative KI kann Gestaltung deutlich beschleunigen. Unterscheidbar wird sie durch Führung.
Beiträge zum Thema
- Maschinenlesbare Markensysteme im Vergleich, nxttool.com
- Website mit KI erstellen: fünf Ansätze, nxttool.com
- Statische Websites: sicher, schnell und effizient, schwarzdesign.de
Quellen
- Anthropic: Introducing Claude Design by Anthropic Labs, Mitteilung vom 17. April 2026
- Figma Help Center: Create and use custom MCP connectors in the Figma agent and Figma Make, abgerufen am 1. November 2026