Vanessas Corona-Geschichte

Bitte stell dich kurz vor und erzähl uns, was du beruflich machst.

Ich bin Vanessa, die Gründerin von Round Edges. Ich bin Schuhdesignerin, stelle neben selbst designten Schuhen auch Taschen und Accessoires her. Ich bin gelernte Orthopädie-Schuhmacherin, Schuhtechnikerin und Gestaltungstechnische Assistentin. Mit Round Edges möchte ich ein Statement setzen. Ein Statement, das Design und Handwerk vereint. Ich möchte meinen Kunden die Möglichkeit geben mit dabei zu sein, wenn die eigenen Paar Stiefel oder auch Halbschuhe entstehen. Dabei arbeite ich nicht mit modernen Techniken, sondern im Gegenteil, ich arbeite mit alten Maschinen und Techniken um Einzelstücke zu kreieren. Mein Augenmerk liegt vor allem auf dem Entstehungsprozess. Heutzutage ist es für viele schwer nachzuvollziehen, wer hinter den fertigen Produkten steht und wieviel Handarbeit geleistet wurde. Das möchte ich ändern. Ich möchte den Entstehungsprozess von Schuhen vermitteln und zeigen, wieviel Arbeit ein paar Schuhe und auch Taschen etc. beinhalten. Jedes von mir designte Paar Schuhe sind Unikate. Keines der Schuhdesigns gibt es ein zweites Mal und jedes Design ist bis ins kleinste Detail durchdacht. Warum arbeite ich mit alten Maschinen? Die Frage kann ich sehr einfach beantworten. Weil die alten Maschinen die beste Qualität bewiesen haben, sie funktionieren nach wie vor und müssen selten bis gar nicht repariert werden. Beispielsweise sind meine Nähmaschinen teilweise aus den 60ern und die Sohlenpresse ist sogar noch älter. Alleine der Charme und die Geschichten, den die Maschinen mit sich bringen, faszinieren mich und unterstreichen den Entstehungsprozess der Schuhe.

 

2020 war pandemiebedingt ein Ausnahmejahr. Wie erging es dir als Kreative*r in der ersten Zeit?

Anfang bis Mitte 2020 war ich noch in Pirmasens, um meine Weiterbildung als Schuhtechnikerin in Modellgestaltung zu Ende zu bringen. Ich steckte mitten in den Prüfungen und habe zu der Zeit schon darüber nachgedacht, mich selbstständig zu machen. Corona hat schlussendlich dazu beigetragen und mir einen kleinen Schubs gegeben. Ich habe die freie Zeit, die mir durch Corona gegeben wurde, genutzt, um neue Designs zu entwerfen und um meine Produktepalette etwas aufzubauen. Ich konnte mich entfalten und neue Kreationen schaffen.

 

In der Not entstehen manchmal kreative neue Ideen. Hast du währenddessen alternative Geschäftsideen entwickelt und ausprobiert, um neue Projekte und Kund*innen zu erreichen? Hat sich deine Arbeitsweise verändert?

Da ich momentan erst im Aufbau bin und mein eigenes Atelier in Düren saniere und einrichte, nutze ich die Reichweite über Instagram und Facebook. Man kann mich immer über E-Mail kontaktieren. Alternative Geschäftsideen sind in der Zeit nicht aufgekommen.

 

Persönliche Kundenmeetings, Projektarbeiten direkt beim Kunden oder auch Netzwerken waren zeitweise komplizierter oder gar nicht möglich. Wie hast du dies in der Pandemiezeit gelöst? Welche digitalen Tools und Apps hast du verwendet, die dir dabei geholfen haben?

Die momentane Situation macht erfinderisch. Auch ich, als Designerin im Aufbau, habe mir Gedanken darüber gemacht, wie ich in Zukunft den Kontakt vermeiden kann, aber meinen Kunden trotzdem die Möglichkeit geben kann, ein paar Schuhe von mir designen und bauen zu lassen. Wenn ich Schuhe designe und diese in meinem Atelier bauen möchte, muss ich auch die Maße des Fußes nehmen, um daraus einen optimal passenden Schuh zu kreieren. Um den Kundenkontakt zu umgehen, kann ich meinen Kunden einen Trittschaum zusenden und dazu eine Step-by-Step Anweisung zusenden. Meine Kunde können von zu Hause aus ihre Füße abmessen, mit meiner Hilfe, die ich per Online Meeting vermitteln kann. Auch in der Step-by-Step Anweisung soll eine bildliche Darstellung vorhanden sein, damit auch keine Maße falsch entnommen werden. Meine Kunden haben jederzeit die Möglichkeit mich zu kontaktieren und mich zu ihren gewählten Schuhdesigns auszufragen.

 

Hast du Online-Möglichkeiten genutzt zu „netzwerken“? Wenn ja, wo tummelst du dich, z.B. auf Social Media oder Onlineportalen?

Auf Instagram und Facebook bin ich meistens unterwegs. Wie schon erwähnt, saniere ich momentan mein Atelier und auf den beiden genannten Seiten könnt ihr alles mitbekommen.

 

Haben sich deine Kund*innenbeziehungen in Corona-Zeiten verändert? Sind sie evtl. enger geworden, hast du dich mit deinen Kund*innen zum Thema austauschen können? Hast du das Gefühl bekommen, dass sich der/die Kund*in auch der Corona-Auswirkungen für dich bewusst geworden ist?

Ich habe bemerkt, dass sich viele Personen mehr und mehr für das Handwerk interessieren. Ich schätze, das liegt auch mitunter daran, dass viele mehr Zeit haben, um das ein oder andere zu recherchieren.

 

Was war die größte Hürde im Jahr 2020 für dich?

Wie schon erwähnt habe ich Mitte 2020 die zweijährige Schuhtechniker Ausbildung in Pirmasens beendet. Die größte Hürde war es nach der Weiterbildung zu entscheiden, wie es weiter geht. Ob ich noch warten soll mit der Selbstständigkeit oder der Zeitpunkt schon gekommen ist? Schlussendlich habe ich mich für letzteres Entschieden. Es ist ein großer Schritt für mich, aber ich möchte mir nicht mit 60 Jahren sagen: „Hättest du das mal gemacht!“.

 

Wie hast du dich während des Lockdowns motiviert?

Das, was ich erschaffe, ist meine Leidenschaft. In der Zeit des Lockdowns gab es keine demotivierende Phase, ich konnte mich ausleben und neue Design ausprobieren. Stell mir eine Nähmaschine hin und dreh die Musik auf und ich lege los. Aber auch während des Lockdowns war es wichtig, frische Luft zu schnappen und lange Spaziergänge zu machen, um etwas Abstand zu gewinnen und neue Gedanken zu bekommen.

 

Was vermisst du am meisten?

Am meisten vermisse ich es, die Möglichkeit zu haben auf Design-Ausstellungen zu gehen, Menschen zu treffen und schöne Gespräche zu führen. Der persönliche Kontakt und die Herzlichkeit fehlen. Aber wie ich immer so schön sage: „Nach einem Tief kommt ein Hoch!“. Der Optimismus siegt am Ende doch immer wieder. Corona hat und wird uns verändern, aber irgendwann kann man auch wieder normal mit dieser Situation leben.

 

Was kannst du Positives für dich aus der Pandemie mitnehmen?

Die Pandemie hat uns alle eingeschränkt. In unserer Lebensweise und auch Freiheit. Das Positivste aus der ganzen Situation ist es, dass Familie und Freund doch immer für einander da sind. Ich hatte und habe wenig physischen Kontakt mit meiner Familie und meinen Freunden, aber wir telefonieren regelmäßig und sehen uns online. Am Ende ist es wichtig, optimistisch zu bleiben.

 

Was ist das erste, was du machst, wenn’s wieder erlaubt ist?

Ich werde mich mit Freunden und Familie treffen, auf Konzerte gehen und Ausstellungen besuchen. An den Wochenenden im Sonic Ballroom in Ehrenfeld sitzen, dabei ein Bierchen trinken und innige, schöne Gespräche mit Freunden führen. Und dabei versteht sich, dass ich einfach alle Umarme und viel Tanze.

 

Wie sind deine Pläne für 2021? Was wünscht du dir, was sich 2021 positiv ändern sollte?

Meine Pläne für 2021 sind, mein eigenes Atelier fertig zu bekommen und dort meine Kunden einladen zu können. Ich möchte meine eigene Webseite online stellen und auf Designer Märkten ausstellen. So hat jeder die Möglichkeit mich persönlich kennenzulernen.

Diese Seite teilen via