Felix' Corona-Geschichte

Bitte stell dich kurz vor und erzähl uns, was du beruflich machst.

Hallo, ich heiße Felix Angermeyer und führe das Design Studio Felix Angermeyer, in dem ich mich hauptsächlich auf Möbel- und Industriedesign spezialisiert habe.

 

2020 war pandemiebedingt ein Ausnahmejahr. Wie erging es dir als Kreative*r in der ersten Zeit?

Zuerst sind Aufträge im Messebereich weggebrochen. Damals fing es mit der MWC Barcelona an. Das war der "erste Kontakt" mit dem Corona-Virus. Es fühlte sich zu dem Zeitpunkt aber trotzdem noch weit weg an. Bis es dann im März auch eine steigende Anzahl an Fällen in Deutschland gab und der Lockdown eingeleitet wurde. Da hat mir dann die Soforthilfe NRW Luft verschafft.

 

In der Not entstehen manchmal kreative neue Ideen. Hast du währenddessen alternative Geschäftsideen entwickelt und ausprobiert, um neue Projekte und Kund*innen zu erreichen? Hat sich deine Arbeitsweise verändert?

Tatsächlich habe ich mit 3 Anderen während der Pandemie das Möbellabel addupp gegründet. Das stand zwar schon im Raum, aber wir haben zusammen entschieden, die entstandene Zeit zu nutzen und Gas zu geben um diese Geschäftsidee voran zu treiben. Da es sich bei der Idee um ein flexibles und individualisierbares Möbelsystem handelt, haben wir besonders in der aktuellen Zeit das Potential gesehen.

 

Persönliche Kundenmeetings, Projektarbeiten direkt beim Kunden oder auch Netzwerken waren zeitweise komplizierter oder gar nicht möglich. Wie hast du dies in der Pandemiezeit gelöst? Welche digitalen Tools und Apps hast du verwendet, die dir dabei geholfen haben?

Da alle im gleichen Boot sitzen, ist der Umstieg auf digitale Meeting-Tools wie Teams oder Zoom nicht schwer gefallen. Mir, meinen Kunden und uns im Team war klar, dass wir uns besprechen müssen, aber nicht persönlich sehen können. So haben wir die Meetings digital abgehalten. Natürlich lässt sich so nicht alles abbilden, was auch im persönlichen Kontakt geht, aber sehen, sprechen und Bildschirm teilen ist schon sehr hilfreich.

 

Hast du Online-Möglichkeiten genutzt zu „netzwerken“? Wenn ja, wo tummelst du dich, z.B. auf Social Media oder Onlineportalen?

Die Netzwerkveranstaltungen in Köln und Umgebung haben mir mit am meisten gefehlt. Es ist für mich immer belebend, neue Vorträge zu hören und sich mit Kollegen und Kolleginnen auszutauschen. Das war für mich etwas schwieriger digital zu kompensieren. Jedoch konzentriert man sich in Pandemie-Zeiten natürlich auf digitale Möglichkeiten. Man schreibt Kontakte auf LinkedIn oder Instagram an, guckt nach digitalen Vorträgen von Vereinen oder schreibt potentielle Neukunden per Email an.

 

Inwiefern wird sich durch die Erfahrung von „Homeoffice“ oder „Remote-Arbeiten“ dein zukünftiges Arbeiten ändern?

Rein von der Arbeitsweise her war der erste Lockdown für mich eine Offenbarung. Durch die entstandene Zeit konnte ich es mir das erste mal erlauben, nach Flow zu arbeiten. Ich habe die strikte Arbeitszeit von 9 - 18 Uhr aufgebrochen und nach Tagesform gearbeitet. Mal früher / mal später aufgestanden, mal kürzer / mal länger am Abend gearbeitet und mal Mittags 2 Stunden Pause gemacht und mal keine Pause gemacht. Das Verrückte daran ist, dass ich so tatsächlich produktiver war und es sich dabei deutlich stressfreier und natürlicher angefühlt hat. In der Arbeitswelt ist es schwer, diese freie Form der Arbeit konstant aufrecht zu halten, aber ich bin durch die Erfahrung deutlich gelassener geworden.

 

Haben sich deine Kund*innenbeziehungen in Corona-Zeiten verändert? Sind sie evtl. enger geworden, hast du dich mit deinen Kund*innen zum Thema austauschen können? Hast du das Gefühl bekommen, dass sich der/die Kund*in auch der Corona-Auswirkungen für dich bewusst geworden ist?

Ich denke, dass durch die Zeit ein gegenseitiges Verständnis entstanden ist und dass man gemeinsam nach Lösungen gesucht hat. In einer gewissen Art und Weise schweißt das auch zusammen.

 

Was war die größte Hürde im Jahr 2020 für dich?

Die größte Hürde war für mich, ohne Netzwerkveranstaltungen und Messen neue Kundenkontakte zu knüpfen. Im Team war es manchmal sehr schwer, ohne persönliche Treffen komplexe Themen zu besprechen und entscheiden.

 

Wie hast du dich während des Lockdowns motiviert?

Überraschender Weise kam die Motivation von selber. Gestalten ist meine Leidenschaft und wenn Zeit da ist, kommt auch schnell die Motivation an etwas Neuem zu arbeiten. Besonders neue Möbelentwürfe und die H20 Kollektion ist in dieser Zeit entstanden.

 

Was vermisst du am meisten?

Am meisten vermisse ich das unbeschwerte Zusammenstehen und ein Kölsch nach einem Vortrag zu trinken.

 

Was kannst du Positives für dich aus der Pandemie mitnehmen?

Ich denke die Pandemie zeigt, dass die Menschen kreativ sind und Lösungen finden. Auch in so einer schweren Zeit. Dass im Lockdown zusammen über Balkone gesungen wird, es viel Solidarität gibt und die meisten Menschen für das Allgemeinwohl Verzicht üben, ist schön und macht Hoffnung. Und natürlich die neue freie Arbeitsweise, die erfahren konnte.

 

Was ist das erste, was du machst, wenn’s wieder erlaubt ist?

Als allererstes würde, ich glaube ich, in die nächste Veedelskneipe rennen. Und danach zu einer Feier zu mir nach Hause einladen, weil meine Partnerin und ich genau am ersten März 2020 in eine schöne neue Wohnung gezogen sind und wir seitdem noch keine Feier machen konnten.

 

Wie sind deine Pläne für 2021? Was wünscht du dir, was sich 2021 positiv ändern sollte?

In 2021 will ich weiter an spannenden Designprojekten arbeiten und weiter Gas bei unserem Möbellabel geben. Ich wünsche mir für 2021, dass die Pandemie in den Griff bekommen wird und wir bereichert durch positive Erkenntnisse und Erfahrungen in einen freien Alltag starten können.

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