Dannys Corona-Geschichte

Bitte stell dich kurz vor und erzähl uns, was du beruflich machst.

Ich heiße Danny Tittel und bin (nach über 15 Jahren Agenturerfahrung) selbständiger Visual Designer und freiberuflicher Dozent. Seitdem bin ich KölnDesign-Mitglied und seit letztem Jahr Vorstandsmitglied. Speziell mit UX SOLUTION konzipieren und entwickeln wir digitale Produkte wie Apps, Software, Webseiten und Webanwendungen. Unser Ziel ist es, dass diese bei den Nutzern bzw. Kunden nachhaltig funktionieren und auf dem Markt wettbewerbsfähig sind.

 

2020 war pandemiebedingt ein Ausnahmejahr. Wie erging es dir als Kreative*r in der ersten Zeit?

Nun, ich hatte zugegeben gerade zu Pandemiebeginn ein Quentchen „Glück“. Nachdem ich kurz vorher eine kurze Krankenhaus-Auszeit hinter mir hatte, war ich mental eigentlich bereit, wieder „durchzustarten“. Peng – da kam die nächste „Auszeit“, die jetzt uns alle betraf. Laufende Projekte, an denen ich noch bis im Februar arbeitete, wurden auf Eis gelegt oder sogar vorzeitig beendet. In sofern war der Pandemie-Start – wie für viele Selbständige – zunächst eine ungewisse Zeit. Letztlich wussten wir alle nicht wirklich, WAS jetzt gerade passiert, wie lange diese Situation nun andauert und was das geschäftlich für uns Selbständige nun bedeuten wird. Nach dem Motto „Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere“ starteten aber wiederum weitere neue langfristig Projekte, die ich teilweise ein Jahr zuvor akquiriert hatte. Das nenne ich – wie anfangs erwähnt – Glück.

 

In der Not entstehen manchmal kreative neue Ideen. Hast du währenddessen alternative Geschäftsideen entwickelt und ausprobiert, um neue Projekte und Kund*innen zu erreichen? Hat sich deine Arbeitsweise verändert?

Zugegeben hat sich hinsichtlich der Arbeitsweise nicht viel bei mir verändert: Remote-Arbeit ist und war auch vor der Pandemie nichts Neues, da ich mitunter auch für Kunden außerhalb Deutschlands arbeite. Das kommt daher, dass ich „digital“ agiere und Meetings oft auch online stattfinden, wenn dies zeitlich der einfachste Weg ist. Hier war die Umstellung für mich keine großartige Hürde.

Ein Beispiel zum Thema „alternative Geschäftideen“: Ich bin neben meiner Projektarbeit für Kunden auch als freier Dozent auf Hochschulen und Akademien tätig. Nun wollte ich nach dem Wintersemester für 2020 ein Sabbatjahr einlegen. Als ich für eine Hochschule zeitgleich zu Pandemiebeginn eine letzte Vorlesungsreihe rein digital durchführte, merkte ich, dass dies auch ohne Vorort-Präsenz sehr gut funktionierte. Daraufhin bereute ich aber, dass ich für mein Sabbatjahr alle weitere Vorlesungsanfragen abgesagt hatte. So entstand die Idee, Webinare und Schulungen selber durchzuführen – nachdem der Gedanke aufkam „Warum machst du das eigentlich nicht auch außerhalb der Bildungsträger?“ Letztlich macht es mir enorm Spaß, mein Wissen praktisch weiterzugeben und ich bekam das Feedback, dass ich auch komplizierte Themen leicht verständlich erklären kann – also war diese Idee recht naheliegend. Ich hatte mich daraufhin in Webinar-Streaming-Technologien und interaktiven Tools für die Schulungen „reingefuchst“, denn ich will, dass meine Teilnehmer interaktiv mitarbeiten können. Das ganze Schulungskonzept entstand somit innerhalb von wenigen Monaten – ich weiß nicht, ob ich dies alles auch ohne der Pandemie-Auszeit in der Kürze der Zeit umgesetzt hätte. Am Ende bin ich glücklich, dass wir diese alternative Idee „aus dem Hut gezaubert“ haben.

 

Persönliche Kundenmeetings, Projektarbeiten direkt beim Kunden oder auch Netzwerken waren zeitweise komplizierter oder gar nicht möglich. Wie hast du dies in der Pandemiezeit gelöst? Welche digitalen Tools und Apps hast du verwendet, die dir dabei geholfen haben?

Wie eben erwähnt war das Interagieren mit Kunden auf dem „digitalen Weg“ nichts wirklich Neues. Die eingesetzten Tools und Apps für Projektarbeiten sind ganz unterschiedlich – je nachdem, womit sich Kunden „zuhause fühlen“. Da wir viel mit Entwicklern zusammenarbeiten, ist das bevorzugte Tool teilweise auch sehr unterschiedlich. Für Whiteboards und Workshops kann Mural oder Miro ein guter Weg sein, auch online und remote zusammenzuarbeiten. Für Meetings bevorzuge ich nach wie vor Zoom, aber auch Tools wie MS Teams oder BigBlueButton. Mit Tools wie OBS „hübsche“ ich meine Meetings, Vorlesungen und Workshops meist nochmals auf, um diese spannender und interaktiver durchführen zu können. Als Arbeitstools sind bei mir regelmäßig Sketch, Figma, InVision, Zeplin, Abstract, Visual Studio, Pinegrow, WordPress, Webflow oder die übliche Adobe-App-Klaviatur wie AfterEffects und Animate auf dem Bildschirm.

 

Hast du Online-Möglichkeiten genutzt zu „netzwerken“? Wenn ja, wo tummelst du dich, z.B. auf Social Media oder Onlineportalen?

Das Thema „Netzwerken“ ist schon eher eine Challenge, da man digitale Netzwerk-Events nicht wirklich mit dem Persönlichen vergleichen kann. Beispielsweise war ich 2020 virtueller Gast auf der DMexco, die ich in Live-Form immer total Klasse fand. In digitaler Form hatte dies für mich aber gar nicht funktioniert, da zuviele Vorträge und zuwenig persönliches Austauschen möglich war. Es gibt jedoch auch kleinere Events, wo auch das Netzwerken (dank Breakout Rooms o.ä.) dennoch funktioniert und sich gute, vertrauensvolle Kontakte ergeben haben. Offen gesagt muss man hier jedoch etwas Fleißarbeit betreiben, um die für sich passende Form zu finden. Das hilft es nur, diese auszutesten. Fündig werden kann man beispielsweise auf Xing, LinkedIn oder Meetup. Ansonsten kann man auch auf Projekt-Auschreibeportalen teilweise gute Netzwerkgespräche führen, wenn man den Dialog etwas offener hält.

 

Inwiefern wird sich durch die Erfahrung von „Homeoffice“ oder „Remote-Arbeiten“ dein zukünftiges Arbeiten ändern?

Es wird sich an meiner Arbeitsweise nicht viel verändern. Außer die Tatsache, dass ich mich auf persönliche Netzwerk- und Messeevents freue. Man vermisst ja meist dies am meisten, was man lange Zeit zuvor nicht hatte. :-)

 

Haben sich deine Kund*innenbeziehungen in Corona-Zeiten verändert? Sind sie evtl. enger geworden, hast du dich mit deinen Kund*innen zum Thema austauschen können? Hast du das Gefühl bekommen, dass sich der/die Kund*in auch der Corona-Auswirkungen für dich bewusst geworden ist?

Es gab beide Erfahrungen für mich – sowohl engere Kundenbeziehungen als auch welche, die seltener geworden sind. Projektarbeiten, die mit Pademiebeginn starteten, sind gefühlt enger, da hier teils das digitale Arbeiten „aus der Ferne“ schon eine enge Abstimmung erfordert. Teilweise waren diese Arbeitsweisen für Kunden auch neu. Ob Kunden sich der Corona-Auswirkungen für mich bewusst geworden sind, kann ich nicht beurteilen. Ich hatte aber schon das Gefühl, dass besonders die Sensibilität gewachsen ist, im Jobtrubel auch mal nachzufragen, wie die aktuellen Erfahrungen sind und wie es geht. Das ist mir insbesondere beim Austausch mit Kollegen aufgefallen und empfinde ich auch als eine positive Entwicklung.

 

Was war die größte Hürde im Jahr 2020 für dich?

Die Hürde in 2020 war, bei digitalen Themen „am Ball“ zu bleiben. Ich hatte das Gefühl, dass die Pandemie in bestimmten Geschäftsbereichen einen Turbo in der Digitalisierung eingeschaltet hat: vielen Kunden war das digitale Remotearbeiten Neuland und haben die Möglichkeiten gesehen, die Apps oder Onlineauftritte für deren Kunden haben können. Entsprechend gab es viele Unternehmen die neue digitale Produkte und entsprechende Technologien entwickelt haben. Teils werden uns Ideen präsentiert, wo wir uns fragen „Warum ist das nicht längst digital umgesetzt worden?“. Mit jeder Anfrage dieser Ideen muss man einen entsprechenden „Lösungswerkzeugkoffer“ parat haben. Das klappt nur, wenn man auf aktuellem Stand ist und daraufhin flexible Lösungen entwickeln kann. Das bedeutete für 2020 und darüber hinaus: Lernen, weiterbilden und Dinge selber vorher austesten.

 

Wie hast du dich während des Lockdowns motiviert?

Der Austausch mit Kollegen oder auch Kunden, dass man nicht alleine mit den Erfahrungen der Pandemiezeit dasteht. Insbesondere das Austesten von neuen Ideen, wie oben erwähnt, hat mich sehr motiviert.

 

Was vermisst du am meisten?

Persönliches Kennenlernen fehlt mir insgesamt schon sehr, auch wenn ich hauptsächlich digital agiere. Das bedeutet, ohne dass man sich vorher Gedanken machen muss, ob man den Mundschutz vergessen hat oder wieviele Menschen insgesamt zusammenkommen. Oder wie man sich begrüßt oder ob man genug Abstand einhält. Aber auch ganz profan ein leckerer Cappucino, der nicht aus unserer eigenen Kaffeemaschine aufgebrüht wird.

 

Was war dein lustigstes, was dein traurigstes Erlebnis in der Pandemie?

Wir sind im Herbst 2020 aus Köln raus- und nach Odenthal eingezogen. Seitdem begegnen wir gefühlt „Halb-Köln“, wenn wir in den Wäldern oder Wanderwegen zur Mittagspause unterwegs sind. Oder Menschen, denen ich zuletzt vor mehr als 10 Jahren zuletzt begegnet bin. Mit ständigem Homeoffice treibt es die Menschen raus zum Wandern. Wenn uns also nach überraschenden Wiedersehen ist, wissen wir, dass wir uns einfach nur mal auf den Wanderparkplatz stellen müssen :-)

Drei weitere Beispiele, die wir rückblickend lustig fanden: Beruflich hatte unsere Katze selbständig Whatsapp-Nachrichten an Kunden abgeschickt dank ihrer Zwei-Hinterpfoten-Technik an ihrem Lieblingsort – meiner Tastatur.

Privat fehlten sowohl Party als auch Wellness-/Thermenbesuche zum Abschalten. Kein Problem – an Silvester hatten wir einen kleinen Dancefloor mit Licht- und DJ-Anlage aufgebaut und haben stundenlang unter uns getanzt, als seien wir auf der Großparty in den Dortmunder Westfalenhallen.

Zum Abschalten haben wir unser Bad und Schlafzimmer auf Saunatemperatur geheizt und im Bademantel Begrüßungscocktails getrunken und Fingerfoods gegessen, die wir sonst aus der Therme kannten. Wie gesagt, in der Not kann man erfinderisch werden.

Traurig fand ich eine Erzählung meiner Mutter, als mitunter die Frisörläden geschlossen blieben. Nachbarn hatten Haushalte gemeldet, die zuhause von Freunden ihre Haare geschnitten bekamen. Ich finde das sehr gruselig, da dies an Verhalten aus alter Zeit erinnert. Sehr wünschenswert finde ich, dass wir uns zukünftig gegenseitig optimistisch „aufbauen“ bzw. um uns kümmern, statt den anderen „runterzuziehen“ oder abzustrafen.

 

Was kannst du Positives für dich aus der Pandemie mitnehmen?

Beruflich finde ich positiv, dass viele Unternehmen gesehen haben, wie sowohl Homeoffice als auch „Vertrauensarbeitszeit“ sehr gut funktionieren kann. Ja, sogar von Mitarbeitern und deren Motivation belohnt wird. Dass die „Kinderschuhe“ beim Digitalisieren innerhalb Deutschlands seit Pandemie-Start nun kräftig anlaufen, stimmt mich ebenfalls positiv. Auch, dass viele Unternehmen wieder zukunftsgerichtet nach vorne schauen und neue Projekte planen – statt im Lockdown stehen zu bleiben. Digitalisierung wird nun schrittweise nicht als Belastung wahrgenommen – oder dass damit Arbeitsplätze wegfallen –, sondern auch als Entlastung, die Stress abnimmt und Zeit für andere Dinge schenkt.

 

Was ist das erste, was du machst, wenn’s wieder erlaubt ist?

Ganz klar: Kinos und Technopartys (speziell Time Warp) besuchen, wieder als DJ draußen vor Gästen auflegen und Konzerte besuchen! Im Kleinen fängt es aber auch schon an: einen frisch aufgebrühten Latte Macchiato in einem Café trinken, einen schönen Abend bei einem Restaurant-Dinner und zum Abschluss bei einem Cocktail in der Bar verbringen.

 

Wie sind deine Pläne für 2021? Was wünscht du dir, was sich 2021 positiv ändern sollte?

Beruflich wollen wir zukünftig noch mehr „Gas geben“ im Digitalen, speziell auch zukünftige Technologien – sei es AR, VR oder innovative Weblösungen. Die Onlineschulungen und Webinare werden wir entsprechend aufbauen – jede Menge spannende Themen lauern 2021 und 2022. Privat gehen wir schrittweise vor: Eigene Partys organisieren, auf denen ich auflege … für unseren Garten Hühner für unseren Eier-Haushalt – und vielleicht ein Hund (der mich daran erinnert, zur Mittagspause rauszugehen ;-))

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