Montags beim Papst - Von Dreibeinern, Schaukelplastiken und Wegen zurück in die Zukunft: der Designer Walter Papst
Montags beim Papst
Von Dreibeinern, Schaukelplastiken und Wegen zurück in die Zukunft: der Designer Walter Papst
Der am 26. März 2008 in Köln verstorbene Designer und Zukunftsforscher Walter Papst zählte zu den bislang eher unbekannten aber bedeutenden Design-Avantgardisten der deutschen Nachkriegszeit. Geboren 1924, studierte er an der Kieler Muthesius Werkkunstschule und unterhielt von 1957 bis 1974 ein Atelier für Industriedesign und Produktentwicklung in Köln. Seine Arbeiten übersetzen die Grundsätze der Moderne in die Aufbruchstimmung der 1950er und 1960er Jahre: Neue Materialien, neue ergonomische Erkenntnisse und neue Ideale fügen sich bei Walter Papst zu ebenso heiteren wie wegweisenden Gestaltungsentwürfen.
Mit dem legendären „Dreibein-Stuhl“, der zu unterschiedlichen Sitzhaltungen animiert und so frühen Haltungsschäden bei Kindern vorbeugen sollte, schlug Walter Papst bereits 1954 ein neues Kapitel in der Schulmöbelwelt auf. Die Ausstellung zeigt neben Prototypen und Originalen auch die Neuauflage des dreibeinigen Holzstuhls, der zu einer Design-Ikone wurde. Das Kölner Museum für Angewandte Kunst zeigt als dritte Station die von der Firma Wilkhahn konzipierte Ausstellung aus dem umfangreichen Nachlass von Walter Papst. Erste Station war im Sommer 2009 der Firmensitz von Wilkahn in Bad Münder. Danach war die Ausstellung in der Stadtgalerie Kiel zu sehen, der Geburtsstadt von Walter Papst.
Die Ausstellung zeigt vielfältige Facetten aus dem Lebenswerk von Walter Papst und thematisiert auch bislang eher unbekannte Kapitel wie zum Beispiel die Leidenschaft des Designers für den Kölner Karneval. Diesen verstand Papst als künstlerisches Happening, auf das er sich monatelang akribisch vorbereitete, um es dann mit Gästen aus der Künstler- und Designszene zu zelebrieren. Die Ausstellung lädt ein zu einer ebenso faszinierenden wie inspirierenden Zeitreise, die von Produktgestaltung bis zu legendären Rosenmontagsfesten führt – eben bis zu „Montags beim Papst”. Mit der Ausstellung und dem Begleitkatalog, herausgegeben von der Firma Wilkhahn, soll ein bislang kaum bearbeiteter Teil deutscher Designgeschichte der Nachkriegszeit einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.